Liebe neue Welt

Essay Gesellschaft 2019

LIEBE NEUE WELT...

...in der ein Fussballer-Transfer Millionen kostet und Flüchtlinge für ihre Einwechslung aufs Spielfeld der besseren Welt mit dem Tod bezahlen. Eine Welt, in der wir täglich auf Computer-Tasten drücken, uns berieseln lassen und das Warten verlernt haben. In der Klicks die neue Währung sind. In der Menschen zu Medien mit eigenem Kanal werden und täglich medial nach Aufmerksamkeit und Bestätigung suchen.

«Liebe Welt, sieht so der Fortschritt aus?» Eine Welt in der Medien das Spiel mit der Wirklichkeit auf die Spitze treiben. «Wer sind jetzt die Bösen und wer die Guten?» Die Herausforderungen sind globaler geworden. Die negativen Schlagzeilen dazu lokaler. «Gibt es heute mehr Probleme auf der Welt?» «Oder gibt es einfach mehr Medien und Kanäle, die darüber berichten?» Zur täglichen Bewältigung dieses globalen Durcheinanders bleibt für den Menschen das Zurückschauen. Retro ist in! Das Reproduzieren einer Zeit, die noch nicht so fatalistisch käuflich und medial inszenierbar war: «Weisch no?...»

Auch die Rückbesinnung auf das Wesentliche gewinnt in der Gesellschaft an Fahrt. Die Gewissheit zurückerlangen, was man will, was man macht, was man isst. Selber säen und ernten. Die Zügel in den eigenen Händen halten. Und sein Pferd auf eine ruhigere Rennbahn führen. Die Scheuklappen aufgesetzt. Mit der Einstellung, vielleicht gar nicht alles und jeden Tag wissen zu müssen, was da draussen mit dir geschieht, liebe Welt. «Wo willst du Zuschauer und wo Akteur sein?» «Ich bin dann mal draussen». Und trotzdem mittendrin. Denn, wo ein Trend ist, ist auch ein Markt. Und ein Werbeslogan. Willkommen im Hamsterrad.

zurück zur Übersicht